Journalistische Sorgfalt unter Druck. Mit Konrad Göke

Shownotes

Gast: Konrad Göke, Chefredakteur von Politik & Kommunikation. Host: Marten Neelsen, Kommunikationsberater und Kolumnist bei Politik & Kommunikation

Einordnung des Auftakt-Clips:

  • [ca. 00:00:55] Marten Neelsen spielt den viralen O-Ton eines 19-Jährigen ein, der in der ARD-Sendung mit Ingo Zamperoni gängige Propaganda-Motive bedient (Medienmisstrauen, vermeintliche Weltverschwörung).
  • [ca. 00:04:10] Konrad Göke erläutert, warum der Clip den Startpunkt der Reihe bildet: Er versammelt typische Versatzstücke eines Desinformations-Weltbilds – von Elitenkritik bis „Wacht auf!“-Narrativ.

Politik & Kommunikation im Spannungsfeld:

  • [ca. 00:02:24] Göke beschreibt P&K als einziges Fachmagazin für politische Kommunikation zwischen Journalismus, Politik, Public Affairs und PR.
  • [ca. 00:03:05] Zielgruppe ist laut ihm die „Berliner Bubble“ sowie politische Zentren der Bundesländer – Akteure, die täglich Kommunikationsprozesse gestalten.
  • [ca. 00:04:08] Die Redaktion widmet Desinformation Raum, weil gezielte Lügen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Legitimität direkt untergraben.

Sprache der Desinformation:

  • [ca. 00:10:05] Neelsen und Göke trennen Missinformation (fehlende Absicht), Desinformation (gezielte Täuschung) und Malinformation (aus dem Kontext gerissene Wahrheiten wie E-Mail-Leaks).
  • [ca. 00:12:15] Donald Trump hat den Begriff Fake News in den politischen Kampf gezogen; dadurch wurde der Begriff entkernt und als Waffe gegen Legacy Media genutzt.
  • [ca. 00:15:30] Fazit: Präzise Fachbegriffe sind wichtig, wirken aber sperrig – deshalb braucht es Brücken zwischen Wissenschaftssprache und öffentlicher Debatte.

Verantwortlichkeiten & Regulierung:

  • [ca. 00:18:40] Göke fordert Regeln für Social-Media-Plattformen – Community Notes oder KI-Moderation können helfen, Desinformation einzudämmen.
  • [ca. 00:20:30] Gleichzeitig ziehen sich Plattformen wie Meta oder YouTube teils aus dem Fact-Checking zurück, weshalb politische Regulatorik (z. B. EU-Digitalgesetze) immer wichtiger wird.
  • [ca. 00:22:48] Auch Bürger seien gefragt: Gegenchecken, Links an den „rechten Onkel“ senden und nicht bei fragwürdigen Kettennachrichten schweigen.

Journalistische Sorgfalt unter Druck:

  • [ca. 00:22:10] Beispiel Elfriede-Jelinek-Falschmeldung: Die Jagd nach Traffic führt dazu, dass Redaktionen Meldungen ungeprüft übernehmen.
  • [ca. 00:26:30] Der ökonomische Druck und die Geschwindigkeit digitaler Nachrichten machen sorgfältige Verifikation schwerer, aber nicht verzichtbar – besonders bei reputationsgefährdenden Storys.
  • [ca. 00:27:30] Interviewpraxis: Statt allgemein „Woher haben Sie das?“ zu fragen, sollten Moderatoren konkret nach Quellen (Telegram-Kanal? Vertrauensperson?) haken.

Kriege, Emotionen und KI:

  • [ca. 00:29:40] Göke schildert seine Zweifel bei Berichten aus Gaza: Unklare Quellenlagen, propagandistische Zahlen und verdeckte Rollen von Medienakteuren.
  • [ca. 00:33:40] Neelsen beschreibt Workshops zu KI-Videos (z. B. vermeintliche Erdbeben in Myanmar) und wie emotionale Wirkung trotz technischer Fehler haften bleibt.
  • [ca. 00:34:00] KI-Tools ermöglichen massenhaft Deepfakes – vom Trump-Foto mit afroamerikanischen Fans bis zu gefälschten Kriegsbildern; Emotion schlägt Fakten.
  • [ca. 00:37:20] Journalismus kann gegenhalten, indem Experten schnell Plausibilität prüfen (z. B. Piloten fürs Cockpit-Foto) und diese Einschätzungen verständlich übersetzen.

Schlussgedanke:

  • [ca. 00:42:50] Göke wünscht sich Hörer, die mit höherem Problembewusstsein und konkreten Werkzeugen für Faktenchecks aus dem Podcast gehen – und diese Haltung im Alltag weitergeben.

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